Holzbauweisen im Überblick

Der Holzbau arbeitet mit umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoffen, die eine gute Ökobilanz aufweisen. Das Naturmaterial Holz besitzt zahlreiche gute Eigenschaften und wird bei gewerblichen, öffentlichen wie privaten Bauherren zunehmend beliebter. Je nach Bauwerk kommen verschiedene Holzbauweisen zum Einsatz.

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Holzskelettbau

So funktioniert's

Senkrechte Stützen und waagrechte Riegel oder Träger bilden das Tragwerk im Holzskelettbau. Die Aussteifung erfolgt durch Beplankungen und andere Aussteifungselemente. Durch die Verwendung von Rastern und den Einsatz von Konstruktionsvollholz wird der Holzskelettbau zur wirtschaftlichen Holzbauweise mit großen Stützenabständen. Für sehr große Stützweiten werden Balkenschichtholz oder Brettschichtholz als Träger eingesetzt.

Im Skelettbau wird zwischen Primär- und Sekundärtragwerk unterschieden. Die Decken tragen als sekundäre Tragwerke die Horizontallasten in die Stützen als Primärtragwerk ab. Diese kann als einteilige oder mehrteilige Konstruktion ausgeführt werden. Die Wände selbst haben keine statische Funktion und können deshalb frei angeordnet und gestaltet werden.

Vorteile

Vorteil dieser Konstruktionsweise: Große Fensterflächen und variable Grundrisse lassen sich sehr einfach realisieren. Ausgesteift wird das Skelett zum einen über die Beplankung der Wände mit Holzwerkstoffen in vertikaler Richtung, zum anderen über die Deckenscheiben des Sekundärtragwerkes oder einen massiven Kern. Dafür sind zum Beispiel Treppenhäuser oder Aufzugschächte geeignet. Als Rastermaß im Holzskelettbau werden bevorzugt Abstände von 1250 x 1250mm verwendet, ebenfalls sinnvoll und gebräuchlich ist ein Raster aus dem Vielfachen von 60cm (Euro-Modul).

Einsatzbereiche

Die Holzskelettbauweise wird vielfach für den Bau von Hallentragwerken für Lagerhallen, Sporthallen oder Schwimmbäder eingesetzt. Im Wohnungsbau findet sich der Skelettbau im Holzständerbau sowie im Holzrahmenbau wieder. Auch hier erweist sich die flexible Grundrissgestaltung als vorteilhaft. Für die Beplankung des Tragwerks werden häufig Gipskarton, aber auch Holzwerkstoffe wie zum Beispiel OSB-Platten eingesetzt.

Holzrahmenbau

So funktioniert's

Ein vorgefertigter Holzrahmen aus Stützen, Schwellen und Rähm bildet die Grundlage der Wandkonstruktion im Holzständerbau. Hochwertiges Konstruktionsvollholz (KVH) wird als Baumaterial verwendet. Bereits im Werk oder auch erst auf der Baustelle wird der Rahmen beplankt und mit Dämmstoff gefüllt. Die Holzrahmenbauweise wird besonders im Fertighausbau mit hohem Vorfertigungsgrad eingesetzt.

Die Lastabtragung erfolgt über den Rahmen, durch die im Rastermaß eingearbeiteten Stützen wird die Wand gegen Knicken und Beulen stabilisiert. Eine kraftschlüssige Verbindung von Wand-, Decken- und Dachbauplatten sorgt für die Stabilität des Gesamtgebäudes. Die Beplankung steift die Wände aus und übernimmt wichtige bauphysikalische Aufgaben. Die Wärmedämmung im Wandaufbau sorgt für Brand-, Schall- und Wärmeschutz. Als wirtschaftlicher Achsabstand zeigen sich Vielfache von 62,5cm, das dieses Maß mit den meisten Plattenbaustoffen kompatibel ist.

Vorteile

Der Holzrahmenbau besitzt verschiedene Vorteile, die die Bauweise vor allem für den Wohnungsbau attraktiv machen. Dazu gehören zum Beispiel die guten Wärmedämmwerte, die wetterunabhängige Planung und Vorfertigung und die daraus resultierende kurze Bauzeit. Schlanke Wandaufbauten ermöglichen Wohnflächengewinne im Vergleich zu Massivbauten, der Bauherr kann ein hohes Maß an Eigenleistung einbringen und damit die Baukosten senken.

Unterschiede gibt es im Holzrahmenbau hinsichtlich der Vorfertigung. Je nach Hersteller werden drei Grade unterschieden:

  • Bei der Vollmontage auf der Baustelle erfolgt der Abbund der Bauteile im Werk, die Montage wird komplett bauseits erledigt (Holzständerbau).
  • Halbfertigteile werden als einseitig beplankte Rahmen geliefert. Die kraftschlüssig montierte Verbindung steift den Rahmen für den Transport aus.
  • Vollfertigteile sind komplett gefertigte Wände mit beidseitiger Beplankung inklusive Dämmung. Zum Teil können auch Fensterbauteile sowie die Haustechnik oder sogar die Außenfassade mit vorgefertigt werden.

Im Zusammenhang mit der Holzrahmenbauweise wird oft auch vom Holzständerbau gesprochen. Tragwerks- und Konstruktionsprinzip sind weitgehend identisch, der Holzständerbau unterscheidet sich im Wesentlichen hinsichtlich des Vorfertigungsgrades. 

Blockbohlenbau

So funktioniert's

Beim Blockbohlenbau bestanden die Wände ursprünglich aus aufeinandergelegten Holzstämmen. Daraus hat sich heute eine Bauweise entwickelt, die durch einen hohen Vorfertigungsgrad hochwertig und wirtschaftlich durch kurze Bauzeiten geworden ist. Für den Aufbau der massiven Blockbohlenwand werden maschinell vorgefertigte Rundbohlen oder Vierkantbohlen verwendet. Neben dem traditionell einschaligen Aufbau der Außenwand sind auch mehrschalige Konstruktionen möglich.

Besonderheiten

Die Konstruktion des Blockhauses hat einige Besonderheiten, die für ein mängelfreies Bauwerk beachtet werden müssen. Dazu gehört zum Beispiel die Setzung. Spezielle Bauteile wie T-Leisten oder Gleitbeschläge berücksichtigen die unterschiedlichen Setzungseigenschaften der verwendeten Bauteile. Auch bei mehrschaligen Wandaufbauten ist die Setzung zu berücksichtigen. Üblich sind Doppelblockwände, die aus zwei Blockwänden mit einer dazwischen angeordneten Dämmebene bestehen.

Zweischalige Blockhauswände bestehen aus Blockbohlenwand (innen oder außen), Dämmebene und einer inneren Beplankung bzw. einer außenliegenden Vorhangfassade. Die Innenwände im Blockhaus können ebenfalls als Blockbohlenwände oder auch als Trockenbauwände realisiert werden. Ebenfalls sehr wichtig ist die sorgfältige und fachgerechte Ausführung der Fugen. Davon gibt es im Blockhaus zahlreiche. Undichtigkeiten sorgen für Wärmeverluste und müssen vermieden werden.

Ist ein Blockhaus einmal geplant, lassen sich Konstruktionsänderungen in der Regle nur noch in sehr begrenztem Umfang umsetzen. Keinesfalls dürfen diese ohne Rücksprache mit dem Planer bzw. Statiker auf der Baustelle vorgenommen werden.

Montagevarianten

Im Blockhausbau kann zwischen verschiedenen Montagevarianten gewählt werden. Möglich sind die schlüsselfertige Montage inklusive Fundament, verschiedene Formen der Ausbaumontage oder die Selbstmontage. Für Bauherren zu empfehlen ist die Richtmeistermontage, bei der das Blockhaus durch den Bauherren unter Anleitung eines erfahrenen Richtmeisters aufgebaut wird.

Brettstapelbau

So funktioniert's

Beim Brettstapelbau kommen flächige Systeme aus Nadelholz zum Einsatz. Hochkant nebeneinander stehende Lamellen, die aus Brettern, Bohlen oder Kanthölzern bestehen können, werden seitlich kraftschlüssig verbunden. Mögliche Verbindungsarten sind Dübelung, Nagelung oder Verklebung. So entstehen massive Holzquerschnitte, die besonders hinsichtlich des Brandschutzes punkten. Je nach Elementdicke werden Feuerwiderstandsklassen von F30 bis F90 erreicht.

Das statische Tragwerk besteht aus den Wandelementen, die neben den Eigenlasten vertikale und horizontale Lasten aufnehmen und abtragen. Die Lamellen besitzen in Abhängigkeit von Hersteller und Anforderungen eine Stärke zwischen 24 und 60 Millimetern. Zur Aussteifung werden Wände wie Decken mit Holzwerkstoffen beplankt, meist werden OSB-Platten eingesetzt, die den Wandaufbau diffusionsoffen halten. Um den Kontakt der metallischen Verbindungsmittel sowie Verluste der Maßhaltigkeit zu vermeiden, werden die Brettstapelwände mit Holzdübeln verbunden und/oder verklebt:

  • Verklebte Brettstapelelemente sind maschinell bearbeitbar und können beliebig auf Maß gebracht werden. Die Elementbreite bleibt auch bei Feuchteänderungen konstant, da Verformungen durch Quellen oder Schwinden in den Lamellenfugen abgefangen werden.
  • Dübelholzelemente besitzen eine hohe Steifigkeit, da die Lamellen mit Buchenholzdübeln verbunden werden. Die mit 6% eingebauten Dübel quellen im Nadelholz mit höherer Holzfeucht auf und klemmen die Einzellamellen irreversibel fest.

Vorteile

Ein Vorteil der Brettstapelbauweise ist, dass keine Raster erforderlich sind. Dadurch können Grundrisse sehr frei aufgebaut werden, auch Fenster- und Türöffnungen lassen sich beliebig integrieren. Der Holzverschnitt ist insgesamt sehr gering, da Ausschnitte bereits im Produktionsprozess wiederverwertet werden.

Häufig findet man Brettstapeldecken im Verbund mit Ortbeton, für die Schubverbindung sorgen dann Kerven, Knacken, Lochbleche oder Schraubverbindungen. Ist das Verbundelement eingebaut, nimmt der Holzanteil die Zugkräfte auf und dient als „verlorene“ Schalung. Der Beton trägt die Druckkräfte ab und sorgt durch sein hohes Gewicht für den Schallschutz. Die Holz-Beton-Elemente werden gerne für weitgespannte Verbunddecken eingesetzt, damit es vor Ort nicht zum Feuchteeintrag kommt, werden die Deckenelemente immer zunehmend vorgefertigt.